Wenn wir wissen, dass unsere Zeit nicht mehr begrenzt ist – haben wir dann noch die Motivation, überhaupt irgendwas zu machen?
Gegenfrage: Ist der einzige Grund, warum Menschen heute etwas tun, sich anstrengen oder sich für etwas Mühe geben, der, dass ihr Leben nach heutigem Stand zeitlich begrenzt ist? Oder handeln sie nicht vielleicht aus Interesse, Leidenschaft, Selbstverständlichkeit, Pflicht, Notwendigkeit oder Großzügigkeit heraus? Seid ihr eine Beziehung eingegangen oder in euren Job eingestiegen, weil ihr mit Sorge realisiert habt, dass euch nur noch ein paar Jahrzehnte Lebenszeit bleiben?
Viel eher ist das Gegenteil der Fall: Es gibt Dinge, die heute niemand in Angriff nimmt, weil Menschen glauben, sie würden sie in einem Leben niemals schaffen – und wenn das Leben viel länger wäre, würden sie es versuchen.
Ein Kleinkind hat noch kein realistisches Todeskonzept entwickelt und ist sich somit der Endlichkeit seines Lebens noch nicht bewusst 1. Dennoch sitzt es, wie Eltern bestätigen können, den Tag in der Regel nicht teilnahmslos ab, sondern erkundet seine Umgebung mit Begeisterung.
Genau wie ein Kind sollten wir also nicht den Tod und all das damit verbundene Leid brauchen, um Motivation im Leben zu finden.
- Panagiotaki G, Hopkins M, Nobes G, Ward E, Griffiths D. Children’s and adults‘ understanding of death: Cognitive, parental, and experiential influences. J Exp Child Psychol 2018 Feb, 166: 96-115. doi: 10.1016/j.jecp.2017.07.014. PMID: 28888195. ↩