Gebrechlichkeit
Das verlängert nur das Leiden. Alle wollen alt werden, aber niemand will alt sein.
Diese Angst ist so weit verbreitet, dass die Alternswissenschaft sogar einen offiziellen Begriff dafür hat: den Tithonus-Fehler. Er geht auf den griechischen Mythos von Tithonus zurück. Dessen göttliche Geliebte bat Zeus um Unsterblichkeit für Tithonus, vergaß dabei jedoch, ihn auch um ewige Jugend zu bitten. So war Tithonus dazu verdammt, endlos körperlich zu verfallen, ohne jemals sterben zu können. Wenn Menschen heute das Wort „Lebensverlängerung“ hören, haben sie oft unweigerlich das Bild eines globalen Pflegeheims vor Augen, in dem die leidvolle, gebrechliche Endphase des Lebens lediglich auf Jahrzehnte gestreckt wird.
Das ist aber ein grundlegendes Missverständnis davon, wie regenerative Medizin funktioniert. Das Ziel dieser Therapien besteht nicht darin, die Zeit, in der wir krank sind, zu verlängern. Vielmehr geht es darum, zu verhindern, dass wir diesen Zustand überhaupt erst erreichen. Das biologische Altern zu besiegen bedeutet, die Phase der Gebrechlichkeit aus dem Leben zu streichen – nicht, sie in die Länge zu ziehen.
Darüber hinaus zeigen biologische Daten, dass der Tithonus-Fehler in der Praxis schlichtweg unmöglich ist. Man kann den Zustand der Gebrechlichkeit nicht nennenswert verlängern, ganz einfach deshalb, weil Gebrechlichkeit an sich bereits ein massives Risiko darstellt. Ein Körper, der von altersbedingten Schäden gezeichnet ist, ist selbst für die kleinsten Störungen extrem anfällig. Jahrzehntelange Laborforschung belegt: Alle medizinischen Eingriffe, die die Lebensspanne von Modellorganismen substanziell verlängert haben, erreichten dies stets durch eine Verlängerung ihrer Gesundheitsspanne.⁴ Der einzige medizinische Weg, einen Körper länger am Leben zu halten, besteht darin, ihn jung und gesund zu halten.
Externe Links zum Thema Gebrechlichkeit (alle auf Englisch)
Artikel von FightAging:
Fear of an Extended Old Age of Frailty and Decrepitude
https://www.fightaging.org/archives/2013/08/fear-of-an-extended-old-age-of-frailty-and-decrepitude/
The Ubiquity of the Tithonus Error
https://www.fightaging.org/archives/2004/03/the-ubiquity-of-the-tithonus-error/
Artikel der Lifespan Extension Advocacy Foundation:
https://www.lifespan.io/news/why-a-longer-life-does-not-mean-longer-decrepitude/